Tipps rund ums Praktikum

Rund ums Praktikum

 

Warum eigentlich ein Praktikum machen?

Das Praktikum ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg in das spätere Berufsleben. Bereits für Schüler der 7. Klassen ist es wichtig, erste Erfahrungen in der Berufswelt zu sammeln.

Deshalb gilt: Es ist nie zu früh – aber oft zu spät!

Die Entscheidung für einen Ausbildungsberuf fällt dir umso leichter, je mehr du über die Berufswirklichkeit weißt. Als Praktikant siehst du, wie in dem Unternehmen gearbeitet wird, bekommst Informationen aus erster Hand und kannst dir somit einen eigenen Eindruck vom Berufsalltag machen. Auf diese Weise lässt sich herausfinden, ob dein Wunschberuf auch für dich in Frage kommt.

Durch das Praktikum haben dich die Verantwortlichen im Unternehmen bereits persönlich kennen gelernt und das steigert deine Chance auf den Ausbildungsvertrag erheblich. Dann entscheiden nicht nur deine Zeugnisnoten und das Bewerbungsgespräch, sondern auch dein Verhalten und deine Einstellung während des Praktikums. Zusätzlich machen nachgewiesene Praktika in den Bewerbungsunterlagen einen sehr guten Eindruck.

 

Was sollte man bei der Praktikumsauswahl beachten?

Werde aktiv und probiere unterschiedliche Berufe aus, dann kannst du aufgrund deiner eigenen Erfahrungen entscheiden, was du tun willst.

Suche dir Firmen, die kontinuierlich ausbilden. Gehe nicht den Weg des geringsten Widerstandes, indem du ein Praktikum in einer Firma machst, welche auch nahe genug an deinem zu Hause liegt. Frage deine Eltern, ob in ihren Betrieben ausgebildet wird oder ob sie jemanden kennen, der ausbildet und ob du dort dein Praktikum machen kannst. Wirf einen Blick in das Telefonbuch, recherchiere im Internet und rufe die Firmen an. Beziehe alle deine Verwandten und Bekannten ein, jeder kann ein Stück dazu beitragen, deine perfekte Praktikumsstelle zu finden.

Und: Mache auf jeden Fall ein Praktikum in der Firma, in der du einen Ausbildungsvertrag anstrebst.

 

Wie bewerbe ich mich auf eine Praktikumsstelle?

Hier gilt die gleiche Vorgehensweise wie bei einer Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz. Zuerst solltest du recherchieren, welche Firmen Praktikumsplätze zur Verfügung stellen. Hier hilft dir unsere Praktikumsbörse weiter.

Unser Tipp: Nimm Kontakt zu den Firmen auf, am besten persönlich oder telefonisch. Sage, warum du dich für diesen Praktikumsplatz interessierst. Dies zeigt ein deutliches Interesse und wird von den Firmen positiv bewertet. Erkundige dich im Gespräch, welche Form der Bewerbungsunterlagen erwünscht ist.

 

Wann sollte ich ein Praktikum machen?

Das Schulpraktikum ist Pflicht. Zusätzlich dazu sind Praktika in den Ferien unumgänglich.

Die Ferien kannst du sinnvoll nutzen, um deine Vorstellung über deinen Berufswunsch zu prüfen.

Der Nachteil: Du musst einen Teil deiner Ferien opfern (was es dir wert sein sollte).
Der Vorteil: Du zeigst damit eine Menge Eigeninitiative, Interesse und Engagement und du bist deinen Mitbewerbern, die keine freiwilligen Praktika absolviert haben, um eine Nasenlänge voraus.

Für freiwillige Praktika bieten sich die Herbstferien und die Sommerferien an. Natürlich kann man auch nach der Schule über einen längeren Zeitraum ein Praktikum in einer Firma machen. Im sozialen Bereich, z.B. in der Altenpflege, kann man auch ehrenamtlich tätig sein. Deine schulischen Leistungen sollten dabei nicht leiden.

 

Wie viele Praktika brauche ich für meine Berufsorientierung und wie lange sollten sie dauern?

Die Anzahl der Praktika hängt von jedem Einzelnen ab. Hierbei zählt nicht, je mehr umso besser. Vielleicht weißt du bereits nach dem zweiten Praktikum, wo du hin willst. Dann bleib dabei. Ruhe dich aber nicht auf deiner Erkenntnis aus. Vielleicht kannst du in der Firma, die du dir als Ausbildungsbetrieb ausgesucht hast, mehrere Praktika absolvieren.

Vielleicht brauchst du aber auch ein paar Praktika mehr, um zu wissen, was du wirklich willst. Hierbei ist nur wichtig, dass du nicht orientierungslos wirkst. Denn nach mehreren völlig verschiedenen Praktika, davon vielleicht noch welche abgebrochen, hast du sehr schlechte Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

Also, lieber vorher ausgiebig nach Berufen recherchieren und diejenigen heraussuchen, die für dich am geeignetsten erscheinen. Nicht alles ausprobieren!

 

Welche Rechte und Pflichten habe ich in einem Praktikum?

Ein Praktikum ist keine formlose Angelegenheit. Für ein Praktikum werden meist Praktikumsverträge geschlossen.

Ein Vertrag regelt das Verhalten beider Vertragsparteien durch gegenseitige Verpflichtungen. Das heißt, im Vertrag verspricht jede Partei der anderen, etwas Bestimmtes zu tun oder zu unterlassen. An diese Vereinbarung ist man gebunden.

Auch für dich ergeben sich im Praktikum Rechte und Pflichten.

Deine Rechte:

Nach dem Jugendschutzgesetz ergibt sich die folgende Definition der Begriffe Kind und Jugendlicher. Insbesondere im Praktikum ist diese Einteilung sehr wichtig und bildet die Grundlage für die Rechte jugendlicher Praktikanten!

(1) Kind im Sinne dieses Gesetzes ist, wer noch nicht 15 Jahre alt ist.

(2) Jugendlicher im Sinne dieses Gesetzes ist, wer 15, aber noch nicht 18 Jahre alt ist.

(3) Auf Jugendliche, die der Vollzeitschulpflicht unterliegen, finden die für Kinder geltenden Vorschriften Anwendung.

Für einen Jugendlichen gilt:

1. die Arbeitszeit darf max. 8 Stunden am Tag an 5 Tagen pro Woche betragen.

2. Pausen stehen euch auch zu (Pausen sind eine Arbeitsunterbrechung von mind. 15 min)

  • bei einem Arbeitstag von 4,5 – 6 Stunden à 30 min
  • bei einem Arbeitstag von mehr als 6 Stunden à 60 min

3. Die tägliche Arbeitszeit darf frühestens morgens um 06:00 Uhr beginnen und muss spätestens um 20:00 Uhr enden. Ausnahmen sind möglich bei Gaststätten, Schichtarbeit, Landwirtschaft und Bäckereien.

4. An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen ist normalerweise für Jugendliche unter 18 das Arbeiten nicht erlaubt. Auskunft zu Ausnahmen gibt die Agentur für Arbeit und das Amt für Arbeitsschutz.

5. Es dürfen keine Arbeitsaufträge gegeben werden, die zu schwer oder zu gefährlich sind.

6. Grundsätzlich verboten sind tempoabhängige Arbeiten, außer sie sind zum Erreichen des Praktikumsziels unbedingt erforderlich und werden unter Aufsicht durchgeführt.

Ganz genaue Informationen findest du im Jugendarbeitsschutzgesetz.

Deine Pflichten:

Wenn du morgens nicht pünktlich oder gar nicht am Arbeitsplatz sein kannst, weil du verschlafen hast, den Bus verpasst hast oder vielleicht krank bist, solltest du dich in jedem Fall bei dem für dich zuständigen Betreuer im Betrieb und bei einem Schulpraktikum auch deiner Lehrerin/ deinem Lehrer Bescheid sagen.

In vielen Betrieben gibt es Dinge, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. An diese Geheimhaltungspflicht bist auch du als Praktikant gebunden.

Einige Arbeitsplätze sind mit Maschinen ausgestattet, die bei unsachgemäßer Handhabung Gesundheitsgefahren bergen. Zudem gibt es Arbeitsbereiche, in denen durch Lärm, Strahlung oder Infektionsgefahr Gefahren für die Gesundheit entstehen können. Auch hier musst du alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen einhalten, um jegliche Gefährdung für dich und andere auszuschließen. In jedem Fall solltest du vor Beginn deines Praktikums eine Arbeitsschutzbelehrung erhalten (Pflicht des Arbeitgebers).

 

Wie verhalte ich mich im Praktikum?

Die Grundregeln sind ganz einfach, handeln von Respekt und sind einfach zu erlernen:

1. Geh am ersten Tag durch die Büros oder deine Abteilung und stell dich mit Vor- und Nachnamen vor. Vergiss auch an den anderen Tagen nicht die morgendliche Begrüßung. Ob per Handschlag oder ohne, du musst herausfinden, wie es in deinem Praktikumsbetrieb gehandhabt wird. Halte dich an die Anweisungen deines Ansprechpartners.

Auf alle Fälle gilt: steh als Praktikant auf, wenn man dir die Hand gibt. Nur, wenn dein Gegenüber in der Hierarchie deutlich unter dir steht (zum Beispiel auch ein Praktikant, aber deutlich jünger), kannst du sitzen bleiben.

2. Duzen und Siezen: Zunächst siezt du sicherheitshalber alle. Es sei denn, es gibt noch andere Praktikanten, die genau so alt oder jünger sind als du, die kannst du duzen. Grundsätzlich gilt: Das Du wird vom Ranghöheren/ Älteren angeboten, also in der Regel nicht von dir.

3. Telefoniere nicht auf Kosten des Unternehmens. Auch sollte dein Handy während der Praktikumszeit ausgeschaltet sein. In Notfällen sag Bescheid, dass du erreichbar sein musst.

4. Zeig Interesse für alles, zeig Eifer und höre genau zu! Hab keine Angst, zu fragen. Denk mit, aber versuche nicht, alles sofort zu verstehen. Unterbrich keine Kollegen, selbst wenn du Fragen hast! Vorsicht: nicht nerven!

5. Führe die erteilten Anweisungen aus.

6. Sei pünktlich.

7. Sei höflich und nett. Keine Kraftausdrücke. Kein Vergreifen im Ton.

8. Halte dich an die Regeln, auch wenn Kollegen sich nicht daran halten.

9. Bleib diskret und verschwiegen in betrieblichen Dingen. Das Meiste geht Außenstehende nichts an.

10. Und ganz wichtig: Kleide dich dem Praktikum angemessen. Nimm den Kaugummi aus dem Mund und die Mütze vom Kopf. Tattoos und Piercings kommen nicht überall gut an – Wenn es geht, versuche Sie zu verdecken!

In deinem Praktikum achtet man nicht nur auf deine Fähigkeiten und dein Engagement. Man schaut auch auf dein Benehmen und deine Umgangsformen. Wer hier schlecht abschneidet, hat es schwer, andere von seiner Arbeitskraft zu überzeugen.